Reisebericht Wales: Schottisches Highland trifft südenglische Strände

Auch im Jahr 2018 haben die Macher von suedenglandreisen.com die Gelegenheit genutzt, eine andere Ecke von Großbritannien zu entdecken. Nach Irland (2012) und Schottland (2017) war diesmal Wales an der Reihe. Wo Irland und Schottland ohne Frage bekannte und beliebte Reiseziele für Kontinentaleuropäer sind, so ist Wales ganz sicher noch immer ein Geheimtipp. Denn – um es gleich vorweg zu nehmen – es verbindet die beeindruckenden Highlands Schottlands mit den lieblichen tiefgrünen Landschaften Südenglands. Dazu ist die Pubkultur südenglisch und damit ein echter Reisevorteil gegenüber den meisten Regionen Schottlands.

Die Fahne Wales: Der walisische Löwe auf weiß-grünem Untergrund

Wie immer haben wir uns zwei Wochen Zeit genommen und eine Route geplant, die uns möglichst viel entdecken läßt:

Gestartet sind wir in London, wo der Flughafen Heathrow bekanntlich beste und aufgrund des starken Wettbewerbs unter den Airlines ziemlich preisgünstige Flugverbindungen bietet. Der Leihwagen ist bei den etwas außerhalb liegenden Verleihstationen leider nicht so schnell übernommen wie an anderen Flughäfen, aber dafür ist man sofort auf der Autobahn.

 

Der Magic Roundabout in Swindon

Wir wollten nun nach so vielen Reisen endlich mal die Gelegenheit nutzen, den Horror aller Touristen zu besuchen: Den „Magic Roundabout“ in Swindon, einen im ersten Moment absolut verwirrenden Kreisverkehr. Fünf Kreisverkehre grenzen hier aneinander und formen wiederum einen Kreisverkehr.

Das Ganze ist so britisch wie man sich nur vorstellen kann – es wirkt im ersten Moment komplett unverständlich und im zweiten Moment ist man über die erstklassige Funktionalität erstaunt. Durchfahren wir ihn doch mal gemeinsam:

 

Der Start in Gloucestershire

Danach führt unser Weg erstmal in Richtung Norden und an Gloucester vorbei, um den Westbury Court Garden zu besuchen, der dem National Trust gehört. Ein eher formaler Garten, der an dem für Anfang Mai extrem heißen Tag fast zu wenig Schatten bietet.

Wetbury Court Garden

Weiter geht es Richtung Westen, wo wir zuerst durch Newnham on Severn und dann schon durch eine schöne Landschaft kommen.

in Newnham on Severn

unterwegs auf kleinen Straßen, im Hintergrund der Fluß Severn

 

Endlich in Wales

Nun geht es über die Grenze nach Wales hinein. Und ja: Es sind in der Tat „Borders“ mit Landesschildern. Wales ist – ähnlich Schottland – zweisprachig: Englisch und Walisisch. Das geht so weit, dass fast alle Schulen nur in walisischer Sprache unterrichten und Unternehmer mit Sitz in Wales ihr Website immer auch walisisch gestalten müssen.

Ein kleiner Tipp für Besucher: Das beliebte Doppel-L wie z.B. in Llangollen wird wie „ch“ als eine Art Krächzlaut gesprochen. Und das „w“ ist ein „u“ – das hilft gerade beim Aussprechen von Städtenamen. In diesem Sinne:

Unser erstes Ziel ist Tintern mit der Ruine seiner einst mächtigen Abbey im wunderschönen Tal des River Wye. Auf dem Weg machen wir Halt bei einem walisischen Weingut – Parva  Farm Vineyard – geködert mit kleinen Lämmern, die geknuddelt werden wollen. Es ist ein unglaublich heißer Tag und der Rundgang durch den Weingarten ist ungelogen schweißtreibend.

Blick aus den Weingärten der Pava Farm mit Tintern im Hintergrund

Tintern Abbey mit britischer Oberklassenlimousine

Tintern Abbey hat nun leider schon geschlossen. Egal, sie ist auch von außen beeindruckend. Überhaupt ist das ganze Tal einfach herrlich und lädt zu ausgedehnten Wanderungen zwischen Wales (hiesige Flußseite) und England (andere Seite) ein.

Tintern Abbey

Am nächsten Tag schauen wir uns das Städtchen Monmoth etwas genauer an, wo wir auch übernachtet haben.

Monmouth

Dann geht raus auf den Symonds Yat Rock (der nur ein kleines Stück wieder in England liegt), um eine tolle Aussicht auf die Schlingen des River Wye zu haben. Ein schauriges Licht zum Fotografieren in einer umso lieblicheren Umgebung. Einladender und friedlicher geht es kaum.

Blick vom Symonds-Yat-Rock

Beim Symonds-Yat-Rock

Nächster Stop ist Raglan Castle, eine tolle Burg mit phantastischer Aussicht.

Raglan Castle

Quasi querfeldein geht es nun nach Blaenavon. Schon der Weg ist ein Erlebnis: Ganz enge und teilweise steile Straßen, herrliche Baumriesen an der Straße und entzückende Steinbrücken über den Monmouthshire and Brecon Canal mit seinen Narrowboats.

Narrowboat am Weg nach Blaenavon

Schmale Straßen auf dem Weg nach Blaenafon

Britischer Wanderweg

Einer von nahezu unendlich vielen mächtigen Bäumen

Wer sagt denn bitte, dass das Wetter in Großbritannien schlecht ist?

Nette Begleiter am Rande der Straße

 

Wales war einst Zentrum der Schwerindustrie

In Blaenavon dann befinden sich die Überreste der einst die Gegend beherrschenden Eisenwerke mit ihren unglaublichen Hochöfen. Bei freiem Eintritt und einer netten Führung durch einem Volunteer (also einen ehrenamtlich Tätigen) bekommen wir einen sehr lebendigen Eindruck in eine Zeit, als es deutlich weniger ruhig war als heute.

Blaenavon Ironworks

 

Zum Gospel Paß

Noch ein Blick zum Bergwerk Big Pit und ins Städtchen, dann geht es zu einem besonderen Highlight eines daran wirklich nicht armen Tages. Wir fahren nach Norden über an der Llanthony Priory vorbei die grandiose Gospel Paßstrasse hinauf auf den Hay Bluff und dann wieder runter bis nach nach Haye-on-Wye. Die Straße würden wir morgen früh am liebsten gleich nochmal in die andere Richtung fahren so schön ist das.

unterwegs

Die Kirche von Cwmyoy – eine ganz schön schräge Sache!

 

Am Friedhof von Cwmyoy

weites, wunderschönes Land (im furchtbaren Gegenlicht)…

… und passende Straßen dazu

Streß kennt man hier nicht

Manches kann schon mal ein paar Jahrhunderte dauern (hier die Ruine der Llanthony Priory)

hUnd die Natur wird selbst zum KunstwerkDer Ort Haye-on-Wye gilt als DAS Bücherdorf – und tatsächlich gibt es unglaublich viele Buchläden und offene Bücherregale. Jetzt am Abend ist der Ort war nett, aber geradezu ausgestorben.

 

Am Monmouthshire & Brecon Canal

Das noch immer heiße Wetter lädt dazu ein, den schattigen Monmouthshire & Brecon Canal zu erleben. Dazu fahren wir nach Goytry Wharf in der Hoffnung, ein Last-Minute-Boot mieten zu können. Das klappt leider nicht, aber wir lernen Ben kennen. Der ist aus London ins schöne Wales ausgewandert und schippert uns 20 Minuten entspannt mit seinem Boot über den Kanal. Einfach nur idyllisch!

Kleine Bootsfahrt auf dem Kanal mit Ben

idyllische Stimmung auf dem Brecon Kanal

Auch danach, nun wieder mit dem Auto, geht es entlang des Kanals. Immer wieder bleiben wir stehen und spazieren ein Stück entlang. Bei Talybond-on-Usk ging es dann vorbei am Reservoir und über eine weitere Paßstraße hinunter in den Raum Cardiff, wo der Dyffryn Garden (National Trust) auf uns wartete.

Klassischer Kleinwagen idealer Größe für walisische Straßen

Am Monmoutshire & Brecon Canal

Kanalbrücke in Talybont-on-Usk

Herrenhaus im Dyffryn-Gardens

 

Tief im Süden von Wales

Und für den Abend sollte es noch an den Strand gehen: Llanwit Major und Nashpoint in Marcross waren sehr nett – das indische Abendessen danach übrigens auch.

Llanwit-Major

Nashpoint Lighthouse mit seinem mächtigen Nebelhorn

Stimmung am Meer

 

Bei Swansea

So ein Wetterwechsel: Nach grandios sonnig-heißen Tagen ist der der Himmel grau verhangen. Bei Castle Coch angekommen reißt der Himmel kurz auf und wir machen noch eine kleine Waldwanderung, bevor wir – es hat wieder zugezogen – das Schloss besuchen. Beinahe alleine wandeln wir durch die unglaublich reich verzierten Räume. Hier könnte man sich Stunden aufhalten, um jedes kleine Detail wahrzunehmen.

Castle Coch

In den Wäldern um Castle Coch

Im Inneren von Castle Coch

Zum Abschluss nehmen wir noch den ersten Tea for two mit Welsh Cakes zu uns.

Durch die Großstadt Swansea hindurch dauert es etwas, unser Ziel die Gower Peninsula zu erreichen. In Mumbles und Caswell Bay fotografieren wir, für die Three Cliffs Bay ist leider keine Zeit mehr. Zwischendurch geht’s durch einen tollen Waldabschnitt, dessen Waldboden mit blühendem Bärlauch übersät ist. Rhossili Bay liegt riesig und einsam vor uns. Gestern muss dort am Bank Holiday die Hölle los gewesen sein. Leider schaffen wir Northern Gower aus Zeitgründen nicht mehr – egal!

Mumbles Pier

Caswell Bay

Caswell Bay

Warnung vor UV-Schäden am Strand von Caswell Bay

Three Cliffs Bay

Blühender Bärlauch in den Küstenwäldern

Rhossili Bay – schier unendliche Sandstrände!

Rhossili Bay

 

Wterfall County

Ein weiterer wolkenverhangener Tag begrüßt uns und wir entscheiden uns für – Wasser! Denn wir fahren ins Waterfall County. Unglaublich was für eine Vielzahl an Wasserfällen diese Region zu bieten hat. In allen Breiten, Höhen und sonstigen Ausprägungen. Los geht es mit dem Melincourt Falls etwas nördlich von Neath bei Resolven. Zum Wasserfall geht es über einen kurzen Wanderweg durch den Wald.

Melincourt Waterfall

Zugegeben, das war die Einstimmung. Grandios wird es nun wieder etwas nördlicher –  wir sind hier übrigens wieder im Brecon Beacon Nationalpark. Vom Ort Pontneddfechan führt eine kleine Straße Richtung Ystradfellte und nach einiger Zeit geht links eine kleine landschaftlich wieder tolle Straße ab. Diese führt zum Pont Melin-Fach Parkplatz, wo diverse Wanderwege starten. Wir entscheiden uns für den Weg nach Süden entlang des River Neath und kommen an 5-6 unterschiedlichen Wasserfällen vorbei. Der Weg selbst, der Wald, einfach alles: Sooo schön.

Am River Neath

Am River Neath

Am River Neath

Am River NeathAm River Neath

Aber wir wollen weiter, diesmal in die Black Mountains: Karges Bergland und praktisch keine Pflanzen außer Gras. Würde es nicht regnen, stürmen und Nebelverhangen sein, der Blick vom Pass hinab wäre grenzenlos und atemberaubend!

Ständige Begleiter am Weg

Über kleine Landstraßen geht es Richtung Carreg Cennan Castle und schließlich Llaneilo, einem kleinen lebhaftem Städtchen. Jetzt warten noch Dynefwr Park und Newton House auf uns. Die Zeit reicht nur mehr für eine Hausbesichtigung, aber es regnet und windet ohnehin. So what, ein gemütliches Pub ist der perfekte Platz für den Tagesausklang.

Carreg-Cennan-Castle

rund um Carreg Cennan Castle

Dinefwr

Britischer geht es kaum im Garten von Dinefwr

 

Die Küste entlang nach Tenby

Nicht zu glauben. Wir wachen bei sonnigem Wetter auf und nutzen die Gelegenheit, das Städtchen Lougharne mit seiner Burgruine und dem Dylan Thomas Boathouse zu erkunden.

Lougharne

Lougharne

Dann geht es die Küste entlang über Amroth nach Tenby. Eine wirklich bezaubernde Hafenstadt mit tollen Blicken und Strand. Man merkt auch, hier ganz besonders, in der Grafschaft Pembrokeshire werden die Häuser bunt angemalt. Generell wirken die Städtchen hier deutlich netter als bisher auf unserer Reise im walisischen Süden.

Küstenstimmung

bei Amroth

an der Küste unterwegs

Tenby begrüßt uns mit tollen Häusern

und vielen Details

Aber nun hinein nach Tenby mit seiner Stadtmauer und grandioser Klippenlage

 

Eine riesige Kathedrale im Nirgendwo

Nach einer ausgiebigen Erkundung des Küstenbereichs geht es weiter nach Pembroke mit der Castle-Ruine und weiter über Haverfordwest nach Newgale mit seinem tollen Strand und dann nach St. Davids. Die Cathedral ist echt das Highlight des Tages!

unterwegs in Pembrokeshire

Pembroke Castle

Pembroke

Newgate

alte Werbeplakete für Urlaub an der Pembrokeshire Coast

alte Werbeplakete für Urlaub an der Pembrokeshire Coast

St. Davids

St. Davids von innen

 

Pembrokeshire

Weiter geht es mit einem kurzen Abstecher nach Porthgain und toller Brandung an den Klippen, die aber nur vom Pembrokeshire Coast Path aus zu sehen ist. Durch Lowertown bei Fishguard fahren wir nach Newton, auch ein ganz entzückender Ort und schließlich zur St. Brynach´s Church in Nevern mit dem Keltenkreuz und dem Bleeding Yew Tree.

Wunderschön am Wegesrand…

und wunderschön am Straßenrand!

bei Porthgain

Lowertown

bei Lowertown

Ist das nicht ein herrliches Abendlicht?

The Bleeding Yew Tree von Nevern

Britisches Stilleben

 

Über Aberaron nach Aberystwyth

Ein britisches Frühstück ganz sehr umfangreich sein und seine Zeit dauern – gerade, wenn man nett plaudert. So fahren wir erst recht spät los, aber der Wind und der aufkommende Regen machen den Besuch von Poppit Sands zu einer kurzen Stippvisite. Weiter geht es durch St. Dogmeals mit der Abbey-Ruine nach Cardigan. Ein nettes Städtchen übrigens. Das folgende Aberaeron ist mit seinem kleinen Hafen und den allesamt bunt angestrichenen Häusern sehr sehenswert, denn diese erhellen sogar das Regenwetter.

Aberaeron mit seinen bunten Häusern

Weiter geht es nördlich bis zu unserer Station für die nächsten 2 Tage: Aberystwyth. Unser Quartier liegt ganz nahe der Standpromenade und nur wenige Minuten von der Cliff Railway entfernt.  Natürlich nutzen wir sie gleich und fahren auf den Constitution Hill.

Aberystwyth Cliff Railway

Aberystwyth vom Constitution Hill

Später regnet es als dann nochmal die Sonne rauskommt, präsentiert sich die Promenade von Aberystwyth im schönsten Abendlicht!

Nach dem großen Regen in Aberystwyth

An der Strandpromenade von Aberystwyth

An der Strandpromenade von Aberystwyth

Abendstimmung in Aberystwyth

Abendstimmung in Aberystwyth

 

Vale of Rheidhol & Elan Valley

Auf dem Plan des nächsten Tages steht eine Rundfahrt. Entlang des wunderbaren Vale of Rheidhol genießen wir die Ausblicke und bei Devils Bridge – die eigentlich drei Brücken übereinander ist – besuchen wir die Mynach Falls. Dann geht es über die Mountain Road und durch das Elan Valley sowie entlang der Reservoirs nach Rhayader, das auch ein liebes kleines Städtchen ist. Die Berglandschaft ist permanent abwechselnd und wunderschön. Kurz: Eine geniale Tour, einer der vielen Höhepunkte dieser Reise.

Vale of Rheidhol

Vale of Rheidhol

Vale Rheidhol Railway

Devils Bridge – drei Generationen von Brücke übereinander

Torbogen im Nichts an der Rhayader Mountain Road

auch das ist Wales: Grossfläche Rodungen zur Nutzholzgewinnung

an der Rhayader Mountain Road

im Elan Valley

einfach ohne Worte

 

Weiter nach Norden

Es ist Muttertag und für uns ein Reisetag bei traumhaftem Wetter mit strahlend blauem Himmel, aber kaltem Wind. Erster Zwischenstopp ist in Machynlleth mit seinem Uhrturm und exzentrisch-britischen Vorgarten mit Klavierspieler, bevor es durch eine grandiose Landschaft weitergeht zu den Dolgoch Falls im herrlichen Tal Tal-y-Llyn. Erst ein See wunderschön, dann grüne mit Schafen gesprenkelte Mittelhügel im Taleinschnitt und schließlich der lichtdurchflutete romantisch verwunschene Waldaufstieg zu den Wasserfällen.

Walisische Landschaft nördlich von Aberystwyth

grandiose walisische Landschaften

Und bitte wer hat das Gerücht aufgebracht, die Briten wären exzentrisch? Es ist die Wahrheit! Hier ein ganz „normaler“ Vorgarten…

Und das Städtchen dazu: Machynlleth

unglaublich schön, oder?

Dolgoch Falls – grün in grün

Versteckt im Wald – die Dolgoch Station

Die Tal-y-Llyn-Bahn auf hohem Viadukt

Weiter geht es in Richtung Meer und dort zuerst nach Fairbourne. In diesem Abschnitt extrem viele Steinmauern zu sehen. In Fairbourne selbst verfolgen wir die Liliput-Dampfeisenbahn, bis sie in den Dünen verschwindet.

im Tal-y-Llyn

wieder an der Küste

mit entzückenden Dörfern

sportlichen Höhepunkten wie dem Gummientenwettschwimmen

Blick auf den Estuary

walisische Küstenimpression

Ein Liliput-Dampfzug tief in den Dünen

Um den riesigen Estuary herum (eine wirklich lange Fahrt, die nur über die Tollroad-Brücke aus Holz abgekürzt werden kann) geht es nach Barmouth. Mit der kleinen Eisenbahn und einer ca. zweiminütigen Fährfahrt wäre es deutlich schneller gewesen. Dafür kommt Barmouth, ein echter Sommerfrischeort, quirlig, aber sehr nett rüber. Toller Strand mit vielen Booten auf dem Sand aufgrund der Ebbe.
By the way: Ein Speiseeis zur Erfrischung ist verdammt teuer in Großbritannien!

Barmouth zwischen Hügeln…

… und Meer.

Weiter geht es Richtung Norden nach Harlech und immer wieder die einzigartigen Blicke in die Snowdonia Berge. Kurz besuchen wir noch den Garten Plas Tan-Y-Bwlch, der uns aber nicht wirklich begeistert. Dafür gibt es diesmal ein ganz spezielles Abendessen. Das haben wir nämlich im lokalen Spar-Supermarkt eingekauft und genießen ganz alleine in einem romantischen Picknickbereich an einem kleinen See (an der B4410) den Abend in Begleitung einer Gänsefamilie mit 6 flauschigen Sprösslingen.

Plas Tan y Bwlch

Britain is Britain

Der See Llyn Mair – unser Abendessenplatz

Wir gestehen: Das war uns Nachtmahl!

 

Snowdonia

Der nächste Tag startet mit einem gemütlichen Chat (Plauderei) mit unserer Landlady (Wirtin) Linda beim gekochten Frühstück in der Küche. Auch das Wetter scheint mitzuspielen. Wir fahren auf tollen Routen über A4085, Beddgelert, A498 undA4086 über den Pass of Llanberis nach Llanberis, um mit der berühmten Snowdon Mountain Railway auf den höchsten Berg Wales zu fahren. Der präsentiert sich nämlich seit gestern ganz ungewöhnlich wolkenlos. Leider gibt es erst wieder Tickets für den Nachmittag des gleichen Tages. Genommen und wir nutzen die Zeit, um rauf nach Caernafon zu fahren zur Besichtigung von Städtchen und Castle. Beides begrüßt uns sehr nett, das Castle ist wirklich gewaltig in Dimension und Zustand. Dann geht es über eine etwas andere Route wieder nach und endlich hinauf auf den Mount Snowdon. Gerade jetzt aber fängt es an, zuzuziehen. Die Fahrt hinauf ist noch toll mit guten Licht. Die Blicke ganz besonders nach rechts sind schlicht beeindruckend, aber kurz vorm Gipfel hat uns der Nebel erwischt. Und dieser fällt auch immer weiter hinunter, was wir bei der Rückfahrt stark merken.

unterwegs in Snowdonia

unterwegs in Snowdonia

Imposante Bergwelt in Snowdonia – in der Mitte im Hintergrund ganz ohne Wolken der Mount Snowden

unterwegs in Snowdonia

alter Schieferabbau

Caernarfon Castle

Mit der Snowdon Mountain Railway auf den Mount Snowden

Mit der Snowdon Mountain Railway auf den Mount Snowden

So wirklich genial aber wirkt es erst aus der Luft:

Wir fahren noch über Porthmadog nach Criccieth, das bereits am Eingang zur Llwyn Peninsula liegt. Das Licht ist jetzt richtig schön, die Bucht und das Meer liegen ganz ruhig vor uns. Die Burg drohnt über uns. Sogar Harlech kann man in der Ferne ausmachen.

Criccieth

Criccieth – man beachte das Art-Deco-Café

Abendstimmung nahe Maentwrog

Am nächsten Morgen sind wir im Plas Brondanw Garten die ersten Gäste. Es ist als wären wir allein in einem Privatgarten. Klein aber fein. Dann geht es auf die Jagd. Nach der Welsh Highland Railway, der ursprünglich 1923 fertiggestellten Eisenbahn quer durch Snowdonia, die keine 20 Jahre existierte und dann von 1997 bis 2011 komplett wiederaufgebaut wurde. Wir treffen sie an 3 Orten und fahren jeweils nach, schlussendlich bis zur Endstation in Porthmadog.

Plas Brondanw Garden

im Plas Brondanw Garden

Welsh Highland Railway

Blumen mal ganz anders

Danach ist kleine Rundfahrt auf der Llyn Peninsula angesagt. Criccieth haben wir schon am Vorabend gesehen. Wir fahren weiter, queren die Insel, um uns an der Westküste Porth Dinllaen von oben anzusehen. Generell gefällt und die Westküste mit Ihren Bergen am besten.
Es geht wieder zurück zum Mainland und wir entdecken bei Llithfaen einen unscheinbaren Abzweiger nach Nant Gwrtheyrn. Dieser alte Abbauort für Granit liegt unten an der Küste, heute befindet sich u.a. ein Sprachinstitut für Walisisch dort – und ein tolles Kaffee, wo wir bei Tee und Scones die höllisch warme Sonne genießen können.

in Porthdinllaen

an der Küste von Llyn

Nant Gwrtheyrn

 

Anglesey

Schließlich geht es noch auf eine richtige Insel – Anglesey! Über die Menai Suspension Bridge, eine Kettenbrücke des berühmten Baumeisters Thomas Telford  geht es in Richtung Beaumaris. Am Weg entdecken wir die Hidden Gardens, die uns gleich magisch anziehen. Es ist wenige Minuten vor 5 und damit vor Schließung. Aber wir sind ja in Großbritannien, einem unglaublich freundlichen Land. Also kurz gefragt – und ja, natürlich dürfen wir noch hinein. Ein Ausgangstor ist abends immer offen und damit haben wir wieder einmal einen wunderschönen Garten für uns allein (wer unseren Schottland-Bericht durchgearbeitet hat, weiß, was wir meinen).

Die Tellford Bridge nach Anglesey

Die Brücke nach Anglesey wurde nicht wirklich für Fahrzeuge heutiger Größe gebaut

Blick von Anglesey zum Mainland

Hidden Gardens

Den nächsten Tag verbringen wir auf Anglesey, das uns jedoch irgendwie enttäuscht und nicht wirklich anspricht. Liegt aber vielleicht auch am Wetter, denn es ist weitgehend bewölkt. Zunächst einmal besuchen wir den Ort mit dem längsten Ortsnamen Europas: Llanfairpwll­gwyngyllgogery­chwyrndrobwll­llantysilio­gogogoch  – oft einfach nur „Gogogoch“ genannt.

Llanfairpwll­gwyngyllgogery­chwyrndrobwll­llantysilio­gogogoch Station

Ein Nebeltag auf Anglesey

Das einzige Hightlight unserer Rundfahrt war bei Amlwch „Parys Mountain“, eine stillgelegte Kupfermine mit unglaublichen Farbspielen des Gesteins.

Mynyd Parys

Mynyd Parys

Und wirklich toll gefallen hat uns Beaumaris, wo wir schon am vorigen Abend nach dem Hidden Garten waren. Dort haben wir gesehen, dass eine Bootsfahrt nach Puffin Island angeboten wird – na, da wollen wir doch hin!

Wir haben Glück, denn aufgrund des starken Windes konnte bislang kein Boot rausfahren. Unser Kapitän will es probieren und hofft, dass wir alle einen guten Magen haben. Draußen ist aber alles halb so schlimm und wir können können Robben, diverse Seevögel in riesigen Kolonien und endlich unsere allerersten Puffins bewundern.

Zurück schauen wir uns noch das Castle Beaumaris an.

Bootsfahrt nach Puffin Island

Bootsfahrt nach Puffin Island

Bootsfahrt nach Puffin Island – hier mit den Namensgebern

Beaumaris Castle

 

Beaumaris

Auch Kleine haben große Sehnsucht nach hohen Bergen

 

Bodnant Garden

Der nächste Tag bringt uns wieder auf das Mainland des Vereinigten Königreichs und zum Bodnant Garden (National Trust). Dieser Garten ist schier unglaublich in Größe, Ausdehnung und Farbenpracht. Und das sagen wir, nachdem wir insgesamt bestimmt schon über 150 britische Gärten gesehen haben!
Ein Muss für Fans der Rhododendren! Vom Formal Garden mit Haus (ein Palast!) geht es in einen Landscape Garden über. Dieser fällt steil ins Tal ab und wir brauchen weit über 2 Stunden alleine für einen Rundgang.

Bodnant Garden

Bodnant Garden

Bodnant Garden

 

Llandudno & Great Orme Tramway

Leider müssen wir weiter, denn in Llandudno werden wir schon bei der Great Orme Tramway erwartet. Eine Reportage für ein deutsches Magazin will geschrieben werden und wir sind einige Stunden mit Fotografieren und Hintergrundgesprächen beschäftigt.
Danach schlendern wir noch ein bisschen durch die Straßen von Llandudno, holen uns beim Inder Essen und fahren nochmal rauf auf den Great Orme zu einem Picknick Platz, wo wir beim Essen Aussicht auf gelb leuchtenden Ginster, tiefblaues Meer, einen Offshore-Windpark, Hasen und Ziegenböcke hatten.

Llandudno

Great Orme Tramway

Great Orme Tramway

Abendessen auf dem Great Orme

 

Von Conwy nach Llangollen

Am nächsten Tag geht es nach Conwy, einem ganz süßen alten Städtchen mit Stadtmauer, auf der man sogar entlang gehen kann. Dazu kommt ein imposantes Castle und von den Brücken gibt es nette Blicke auf den Estuary.

Conwy

Am Hafen von Conwy

Weiter geht es bis Llanrwst mit der schönen Steinbrücke und dem zugewachsenen uralten Tearoom aus dem Jahr 1480, bevor wir durch den Gwydir Forest auf sehenswerten schmalen Straßen bis zum Ugly House  kommen. Den Swallow Falls statten wir einen kurzen Besuch ab und Betws-y-Coed – ein süsses Städtchen – ist touristisch derart überfüllt, dass wir gleich weiterfahren

Pen-Y-Bont

Pen-Y-Bont

im Gwydir Forest

schmale Straßen im Gwydir Forest

schmale Straßen im Gwydir Forest

The Ugly Tea-Houe

Swallow Falls

Carrog

Das Ziel dieser doch recht langen Tagesetappe ist Llangollen, schon deutlich weiter im Süden und nahe der Grenze zu England. Nett, aber touristisch ebenfalls zu stark besucht für unseren Geschmack. Aber hier beginnt auch wieder einer der wunderschönen Kanäle, den wir auf einen 3,5 mi Wanderung bis zu den Horseshoe Falls entlanggehen.

am Kanal in Llangollen

entlang des Kanals zu den Horseshoe-Falls

entlang des Kanals zu den Horseshoe-Falls

 

Pontcycyllte Aquaeduct

Am Abend geht es noch schnell zum Pontcycyllte Aquaeduct, wo wir Biergarten des lokalen Pubs wunderbar zu Abend essen. Tipp: Die Lammleber und vor allem die „Faggots“ hatten – beides wunderbar. Schließlich ging es noch im letzten Abendlicht zum Sonnenuntergang auf den Horseshoe-Pass hinauf.

am Pontcycyllte Aquaeduct

Pontcycyllte Aquaeduct

Sonnenuntergang am Horseshoepass

Es ist Samstag, der 19. Mai 2018 – der Tag der Hochzeit von Prince Harry und Meghan Markle. Wir machen eine wunderschöne Wanderung den Kanal entlang und zurück über den Berg, wodurch wir wenig vom „Hochzeitswahnsinn“ mitbekommen. Aber mindestens das halbe Land verbringt diesen Tag gemeinschaftlich vor dem Fernseher. Gut für uns!
Nachmittags machen wir eine Fahrt mit einem Narrowboat zum Pontcysyllte Aquaedukt – einfach wunderbar, mit einer menschenfreundlichen Geschwindigkeit von nur 4 Meilen pro Stunde (ca. 6,5 km/) durch die Landschaft zu gleiten und mit unserem Skipper nett zu plaudern. Höhepunkt war die Fahrt über den 1805 erbauten und 40 Meter hohen Aquaeduct mit einer gusseisernen Rinne für die Kanalboote, der UNESCO-Weltkulturerbe ist – übrigens auch von Thomas Telford erbaut. Ganz nahe und auch toll ist der Chirk Aquaeduct genau zwischen England und Wales mit seinem Schiffstunnel und dann das Chirk Castle.

Bootsfahrt auf dem Kanal zum Pontcycyllte Aqueduct

Bootsfahrt auf dem Pontcycyllte Aqueduct

Bootsfahrt auf dem Pontcycyllte Aqueduct

Blick vom Pontcycyllte Aqueduct

Chirk Aquaeduct

Chirk Aquaeduct & Viaduct mit zwei klassischen Verkehrsmitteln

Mächtig drohnt Chirk Castle

Alter Bus mit Stil

 

In Richtung Süden nach Welshpool

Nach all dem Trubel und frühindustrieller Geschichte wollen wir es wieder etwas ländlicher haben. So suchen wir das verschlafene Llanarmon Dyffryn Ceiriog mit einer wunderschönen Landschaft rundherum. Die Strassen sehr oft sehr extreme Minor Roads. Weiter geht es nach Llanrhaeadr und dann zum Pistyll Rhaeadr Waterfall. Aber die Autos und Menschenmassen dort sowie 4 GBP Eintritt lassen uns wieder flüchten und auf direktem Weg nach Llanfair Caereinion zur Welshpool and Llanfair Light Railway fahren, mit der wir unbedingt fahren wollen. In ungarischen Waggons und in Wagen der österreichischen Zillertalbahn kommen heimatliche Gefühle auf. Eine nette kurzweile Fahrt durch eine nicht spektakuläre, aber schöne Landschaft. In diesem Zusammenhang gleich noch ein Lokaltipp: Das Raven Inn in Welshpool direkt an der Bahnstation mit netten Biergarten im Grünen.

 

in der Nähe von Llangollen

bei Llanarmon Dyffryn Ceiriog

bei Llanarmon Dyffryn Ceiriog

Llanarmon Dyffryn Ceiriog

Welshpool and Llanfair Light Railway

Detail an der Welshpool and Llanfair Light Railway

 

Über Powis Castle zurück nach England

Powis Castle ist unser letzter Stopp in Wales und dann geht es nach Süden in den Hergest Croft Garden. Der Weg dorthin über die A483 meandert durch eine wunderschöne Landschaft. Im netten Garten gibt es noch einen Cream Tea und Chocolate Cake zur Stärkung für das letzte Stück bis in die Cotswolds in England. Dort schauen wir noch in Stratford-upon-Avon, den Geburtsort von Shakespeare und dem Batsford Aboretum vorbei, bevor es zurück zum Flughafen Heathrow und in die Heimat geht.

Powis Castle mit seinen unglaublichen Hecken

Hergest Croft Garden

Shakespeare in Stratford-upon-Avon

Stratford-upon-Avon

Stratford-upon-Avon

 

Unser Fazit:

Wales wird vollkommen unterschätzt! Es bietet zu einem Teil die grandiosen Berglandschaften Schottlands und dann wieder die lieblichen Landschaften Südengland mit uralten Pubs (die man in Schottland so viel seltener findet) sowie wunderschöne Küsten und ganz viel Historie – das alles auch noch äußerst kompakt. Dazu Menschen, die extrem stolz auf ihre walisische Herkunft sind sowie generell recht wenig ausländische Touristen. Von daher ist Wales auch für uns Südenglandliebhaber ein ganz großer Reisetipp!

 

 

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