REISETIPP: Verhalten im Pub / Restaurant

Ganz offen: So gemütlich und einladend englische Pubs auch sind, so schnell kann man sich dort auch falsch verhalten. Das ist nicht schlimm und man wird es vielleicht auch gar nicht gleich bemerken, denn die sprichwörtliche Zurückhaltung der Engländer wird hier meist nicht einmal ein Heben der Augenbraue zur Folge haben. Aber mehr Spaß macht es schon, wenn man es richtig macht.

Und manchmal erlebt man auch das Gegenteil, so wie es uns selbst bei unserem allerersten Pub-Besuch in England 2009 passiert ist: Vollkommen blauäugig sind wir mittags in Salisbury in das „George & Dragon“ spaziert, sehen hinten einen tollen Gastgarten und gehen schnurstracks dorthin. Fast alles frei, wir setzen uns an einen Tisch in der Sonne und denken uns nichts weiter. Und genau das war der Fehler! Denn nach einiger Zeit kam die Landlady (Chefin) von der Bar und erklärte uns im Typ „strenge Lehrerin“, dass wir uns in einem englischen Pub befänden und es dort üblich sei, zuerst an der Bar zu bestellen und sich erst dann zu setzen. Service am Tisch gäbe es hier nunmal nicht. Kennt Ihr das Gefühl „begossener Pudel“? Genau dieses hatten wir. Aber nur kurz, denn dann versorgt mit Getränken und einem hervorragenden Essen haben wir dieses nebenbei sehr empfehlenswerte Pub mit Terrasse hin zum River Avon äußerst genossen.

Damit Ihr es gleich richtig macht, hier ein paar Tipps für den nächsten (oder ersten) Pub-Besuch.

Das richtige Pub finden:

  • Ruhig nach ganz unscheinbaren Pubs schauen – sie sind fast immer unglaublich nett. Und die nettesten Lokale sind nicht an der Hauptstraße, also einfach den Schildern folgen und sich über die „Funde“ freuen!
    Ganz stolz sind die Pubs auf ihre „welcome“-Atmosphäre – jeder ist willkommen, es sind „Public Houses“ (öffentliche Häuser), eben „Pubs“.
  • Free Houses sind übrigens deshalb frei, weil sie keiner Brauerei gehören! Daher entscheiden sie selbst darüber, welche Biersorten welcher Brauereien angeboten werden. Ansonsten gibt es meist nur die Biere des jeweiligen Besitzers.
  • Achtung, wenn draußen für Fernsehereignisse wie Fußball oder Pay TV (z.B. „Sky“) geworben wird: In diesem Fall wird das Fernsehen sehr präsent und ein Gespräch gerade abends eher schwer möglich sein.
    Wird damit aber nicht geworben ist die Chance äußerst groß, dass es gar keine Fernsehapparate im Pub gibt! Denn die guten britischen Pubs verzichten trotz der Fernsehleidenschaft der Briten auf diese Dauerberieselung und setzen klar auf das persönliche Gespräch (ganz anders als viele Irish-Pubs und deren Nachbauten auf dem Kontinent…).
  • In den meisten Pubs gibt es auch etwas zu Essen – aber hier sind die Unterschiede sehr groß! In vielen (meist einfacheren) Pubs gibt es „pub crub“, also einfaches Essen wie Burger & Co, die eher kalorienhaltiger sind und das Trinken unterstützen sollen.
    In den „Gastro Pubs“ (bitte genau nach diesen fragen!) gibt es oft richtig gehobene und anspruchsvolle Speisen, die ganz viel Spaß machen.
    PRAXISTIPP: Es ist nicht sehr üblich, dass Speisekarten aushängen – in Städten in den Tourismusbereichen schon, aber spätestens auf dem Land hat man vorher meist gar keine Idee, was es zu Essen gibt. Daher lohnt es sich, im Internet die Website des Pubs zu suchen (einfach den Ort und den Pubnamen als Suchbegriffe eingeben), um sich dort die meist auch veröffentlichte Speisekarte („menu“) anzuschauen. Aber Achtung: Oft ist es nur eine Beispielkarte der letzten Saison („sample menu“) – deshalb bitte nicht damit rechnen, dass es auch tatsächlich alle genannten Speisen gibt. Allerdings ist das auch gar nicht entscheidend – alleine an der Beschreibung der Speisen sieht man, ob sie wohl eher einfach ausfallen oder spannend und liebevoll ausgearbeitet sind.
  • Die beste Methode ist immer, in der Unterkunft nach einer Empfehlung zu fragen. Gerade in den privat geführten B&Bs sind die Hosts (Gastgeber) meist enorm bemüht, das richtige Pub zu empfehlen. Wir sind so gut wie nie enttäuscht worden.
    Üblich ist auch eine Liste von Pubs und Lokalen auf dem Zimmer (in der Infomappe zum Quartier). Hier hilft dann wieder die Speisekartensuche im Internet – da die allermeisten Quartiere (auch B&Bs) kostenfreies W-LAN anbieten (hier „free Wifi“ genannt, mit W-Lan kann kein Brite etwas anfangen!) stellt das ja auch kein Problem dar.
    Gerne reservieren übrigens die Gastgeber für einen den Tisch zur gewünschten Zeit – die Hilfsbereitschaft ist ohnehin enorm, man fühlt sich fast immer wie bei einem „rundum sorglos Paket“.
  • Sonntags sind oft viele Lokale geschlossen – besser vorher erkundigen. Und bitte nicht wundern, oft gibt es nur eine sehr eingeschränkte Speisenauswahl. Mittags wird sogar fast immer ausschließlich der „Sunday Roast“, also der Sonntagsbraten angeboten. Man kann meist zwischen Lamm, Rind, Schwein und Hühnchen wählen. Das ganze kommt dann in einer kräftigen Bratensoße mit Gemüse und Kartoffelbeilage an den Tisch. Umfangreich und meist sehr preiswert!

Das Pub betreten:

  • Der Weg führt einen immer zuerst einmal an die Bar, dem Dreh- und Angelpunkt des Hauses.
  • In „normalen“ Pubs werden generell sowohl die Getränke als auch das Essen an der Bar bestellt und auch gleich (bar) bezahlt. Meist bekommt man einen Gegenstand (z.B. bemalten Kochlöffel o.ä.) mit, anhand dessen die Bedienung weiß, wer was bestellt hat. Einfach auf den Tisch stellen und auf das Essen freuen!
  • In Restaurants und den „Gastro-Pubs“ bekommt man in der Regel einen Tisch zugewiesen (bitte nicht selbst irgendwo hinsetzen!) und der Kellner nimmt am Tisch die Bestellung auf. Möchte man zahlen, kassiert manchmal der Kellner und manchmal wird man an die Theke verwiesen. Einfach abwarten, wie es der Hausbrauch ist.
  • PRAXISTIPP: Beim Hereinkommen ins Pub gleich schauen, ob es einen separaten Gastraum gibt. Wenn ja (besonders, wenn dort extra eingedeckt wurde), ist das ein klares Zeichen für Service. Es sagt aber nicht, ob es auch die Getränke am Tisch gibt.
    Also führt der Weg zuerst zur Bar und man bestellt sich dort sein Lieblingsgetränk. Bekommt man das Getränk fragt man, wie es mit dem Essen aussieht. Entweder man wird direkt an einen Kellner verwiesen (Getränk mitnehmen, bezahlt wird dann später!) oder man bekommt die Karte in die Hand gedrückt und hat freie Platzwahl. Setzt einen der Kellner, kann man bei diesem auch bestellen. Bekommt man nur die Karte, sucht man sich selbst einen Platz, sucht das Essen aus und bestellt und bezahlt es an der Theke. Dort erhält man dann meist den bereits erwähnten bemalten Kochlöffel oder ähnliches, den man auf seinem Tisch drapiert. So finden einen die Speisenträger, die das Essen aus der Küche bringen. Mehr Service gibt es dann nicht, dafür aber kann man ungestört über Stunden sitzen.
  • Kommt man in ein Pub und es sind alle Tische besetzt, spricht nichts gegen eine höfliche Frage, ob man sich dazusetzen darf. Im Gegenteil: Meist sind die Tischnachbarn sogar äußerst erfreut darüber und sofort ist man im Gespräch. Fast sogar der beste Weg, mit Engländern in Kontakt zu kommen!

Getränke bestellen:

  • Die im Pub üblichen Getränke sind alkoholisch und i.d.R. Bier und Cider (eine Art alkoholischer Apfelsaft, meist kohlensäurehaltig). Natürlich gibt es auch Wein und alkoholfreie Getränke.
    Bier und Cider werden üblicherweise in zwei Größen serviert: „Pint“ oder „Half Pint“. Sagt man nichts dazu, geht der Landlord (Barkeeper) vom Pint aus:
    Pint: 0,568 Liter
    Half Pint: 0,284 Liter
  • Bier:
    England hat eine riesige Zahl von lokalen und kleinsten Brauereien. Dementsprechend abwechslungsreich ist das Angebot an Bier. Üblich ist es, sich ein „draught beer“, also ein frischgezapftes Bier zu bestellen und keines aus der Flasche (außer bei Pubs, die sich z.B. auf spezielle Craft-Biere spezialisiert haben, das sieht man aber).
    Dabei wird unterschieden zwischen den mit Kohlensäuredruck gezapften Bieren (den kontinentalen Bieren sehr ähnlich oder sogar von dort importiert, meist „Lager“ von internationalen Großbrauereien wie Heineken, Stella Artois, etc.) und den klassischen englisches „Ales„. Letztere sind sehr kohlensäurearm und werden mit Muskelkraft in Kellertemperatur ins Glas gezapft. Ganz stolz sind die englischen Pubs auf ihre „Real Ales“, also besonders handwerklich und anspruchsvoll gebraute Biere, meist aus lokal angebauten Rohstoffen.
    Die „draught“ angebotenen Biere (und Cider) werden an den großen Zapfhähnen mit künstlerisch gestalteten Schildern beworben. Daher schaut man sich am Besten erstmal alle Schilder an und bestellt erst danach das Passende.
  • Cider:
    Ein gerade in den letzten Jahren sehr populär gewordenes Getränk ist der Cider – eine Mischung aus vergorenem Apfelsaft und alkoholfreiem Apfelsaft, meist kohlensäurehaltig. Lediglich die als „Vintage“ bezeichneten Cider sind ohne Kohlensäure.
    Cider gibt es von „dry“ (trocken“) über „medium“ bis „sweet“ (süß) und wirklich jeder schmeckt anders. Man kommt gar nicht drum herum, verschiedene Sorten nach und nach auszutesten. Manche Pubs haben „Cider Festivals“, wo mehr als 20 Sorten ausgeschenkt werden.
  • PRAXISTIPP: Kennt man keines der angebotenen Biere oder Cider, einfach mit dem „Landlord“ (Barkeeper) plaudern und seinen persönlichen Favoriten herausfinden. Fast immer bekommt man einen Probierschluck und kann so das Passende finden, von dem man dann aber schon ein „Pint“, also ca. 0,568 Liter (das große Glas) bestellen sollte.
    Und ansonsten: Einfach ein „half pint“ nehmen (knapp 0,3 Liter) und ausprobieren! Ihr werdet überrascht sein, was für spannende Sachen es gibt.
  • Wein:
    Wer ein Glas Wein bevorzugt, kommt eigentlich überall auf seine Kosten. Die Auswahl ist meist groß und reicht von Weinen aus Frankreich über Spanien bis hin zu „neuen Welt“ (vor allem Australien, aber auch Afrika und Kalifornien sowie Chile). Auch wenn in England inzwischen immer mehr (und teils überraschend guter!) Wein angebaut wird, ist dieser in der Gastronomie praktisch nicht existent. Schade, aber umso mehr lohnt sich der Besuch eines Weinguts in Südengland.
    Weintrinker haben meist die Auswahl unter verschiedenen Glasgrößen:
    Small: 1/8 = 0,125 Liter
    Medium = 0,175 Liter
    Standard / Large: 1/4 = 0,25 Liter
    Aber Vorsicht: Die Auswahl an Weinen ist oft groß, nicht jedoch die der glasweise ausgeschenkten!
    Dafür sind die Preise für die Gläser ziemlich hoch – die für ganze Flaschen dagegen vergleichsweise moderat. Somit lohnt sich für zwei Weintrinker am Tisch meist immer die Flasche statt Gläsern.
  • Alkohlfreie Getränke:
    Natürlich gibt es auch eine ganze Menge an alkoholfreien Getränken im Pub. Ein „Ginger Ale“ oder „Tonic Water“ kennen wir ja auch und ebenso eine „Coke“ oder „Sprite“ / „7Up“. Beliebt ist auch „Sparkling Elderflower“, also ein kohlensäurehaltiges Holunderblütengetränk (z.B. von „bottle green„). Meist sind die alkoholfreien Getränke in einem Regal an der Wand hinter der Theke aufgereiht und man kann sich das Gewünschte aussuchen. Ansonsten: Einfach den Landlord (Wirt) fragen!
    Überall verfügbar und stets in guter Qualität ist das Leitungswasser („Tap Water). Dazu gibt es ein tolles Gesetz, nach dem jedes Lokal, das Alkoholika anbietet, auch kostenfrei Leitungswasser ausschenken muss!
    TapWater

Das Essen auswählen:

  • Zum englischen Essen an sich und deren inzwischen herausragend guter Qualität haben wir einen eigenen Reisetipp mit vielen Beispielen verfasst.
  • Das Essen kommt nahezu immer mit einem Salat oder Gemüse – auch wenn es gar nicht dabeisteht! Gerade die Gemüsebeilagen sind meist große Portionen von salzarm und bißfest gedünsteten saisonalen Sorten.
  • Mindestens ein vegetarisches und oft ein weiteres veganes Gericht auf der Karte sind Standard.
  • Fast immer ist auch mindestens ein asiatisch/indisches Gericht sowie ein Nudel-/ Pastagericht auf der Karte. Lecker, aber bitte kein italienisches „Al-Dente“ erwarten!
  • Sehr stolz sind viele Pubs, dass ihre Speisen aus lokalen Zutaten bestehen und „organic“, also bio sind.
  • Die Salate sind manchmal ohne Dressing – nicht wundern, sondern einfach nett nach etwas Dressing fragen, es kommt gerne nach.
  • Essenszeiten sind mittags 12-14 Uhr (teilweise 11:30 – 14:30 h) und abends 18 – 21 h (teilweise 17:30 – 21:30 h). Außerhalb dieser Zeiten ist es außer in den größeren Städten fast unmöglich, etwas Essbares zu bekommen. Nachmittags bieten sich noch die Tea Rooms an, die hervorragende Sandwiches haben! Den ganzen Tag über haben aber die Cafés von Touristenattraktionen (z.B. Gärten, Häuser, etc.) offen – in diese kommt man oft auch ohne Eintritt rein!
    Abends bleibt oft nur noch ein Take-Away oder ein bis 22 h geöffneter Supermarkt bzw. eine der eher raren Tankstellen.

Bezahlen:

  • Bezahlt wird in der Regel direkt an der Bar. Dabei gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: Man rührt das hingestellte Glas erst dann an, wenn man bezahlt hat!
  • Fast überall kann mit Karte bezahlt werden. Die im deutschsprachigen Raum übliche EC-Karte / Girocard / Bancomat-Karte ist in England unbekannt und wird nur selten akzeptiert (auf das „Maestro-Zeichen“ achten). Stattdessen ist die Bezahlung mit Kreditkarte üblich, was auch bei Kleinbeträgen probemlos akzeptiert wird.
    Aber Achtung: In England ist es schon seit Langem gängig, mit PIN zu zahlen bei der Kreditkarte. Gerade das junge Servicepersonal kennt die Methode der Unterschrift schon gar nicht mehr und ist manchmal heillos überfordert, wie damit umzugehen ist. Leider funktionieren deutsche oder österreichische Kreditkarten aber in England nur mit Unterschrift, auch wenn sie daheim auf den PIN-Code ausgelegt sind. 🙁
    Die Lösung: Kontaktloses Zahlen! Das geht bis 30 Pfund und man hält die (mit der entsprechenden Funktion ausgestattete) Kreditkarte einfach kurz auf das Lesegerät. Das spart allen Beteiligten viel Zeit und dem ausländischen Besucher peinliche Momente.
  • Trinkgeld wird gerne genommen, ist aber eher unüblich – vor allem in Pubs an der Bar. Die Rechnung ist immer pencegenau zu bezahlen – fast immer steht auf der Theke ein Teller oder ein Glas für den „Tip“. Einfach nach Gefühl einen halben oder ein Pfund reingeben.
    Beim Kellner dagegen ist der „Tip“, das Trinkgeld schon sehr üblich. Als Hausnummer kann man 10% nehmen, aber das ist nicht fix. Auch weniger wird niemals zu einem Protest des Kellners führen – wir sind schließlich nicht in den USA!
    Und Vorsicht: In manchen touristisch stark besuchten Lokalen ist das Trinkgeld als „service charge“ bereits auf der Rechnung. Hier doppelt zu geben wäre nicht angemessen.

Sperrstunde

  • Die gesetzliche Sperrstunde ist offiziell abgeschafft – die Pubs entscheiden nun selbst, wie lange sie offenhalten möchten. Allerdings werden die selbst definierten Öffnungszeiten recht strikt eingehalten und der Ruf zur letzten Runde ertönt auch hier meist noch zu gegebener Zeit. Oder der Landlord kommt herum, wenn nicht mehr viel los ist und fragt selbst nach.

Auf keinen Fall: Rauchen im Pub!

  • England ist ganz strikt: Rauchen ist generell in Lokalen verboten! Wenn man doch seiner Sucht nachgehen möchte: Einfach Getränk schnappen (abends auch die Kerze vom Tisch dazu!) und raus auf die Straße gehen. Dort stehen sicher ein kleiner Tisch und zwei Stühle und so kann man dann nett weiterplaudern.

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